Pferdefleisch… Was sonst?!

Darf‘s ein bisschen Pferd sein? – oder die Mär von zu teurem Fleisch

Welcher Student, der nicht mehr zuhause wohnt, kennt diese Problematik nicht? Der Kühlschrank ist mal wieder zum ungünstigsten Zeitpunkt leer. Meist ein paar Tage vor Monatsende. Eben genau dann, wenn die Haushaltskasse gähnend leer ist. Und so steht man mit leeren Taschen vor der Fleischtheke. Sieht das Schnitzel für wenige Euro das Kilo. Dem kritischen Student drängt sich nun vielleicht eine Frage auf: Warum ist das Schnitzel beim Metzger doppelt so teuer? Scheinbar ist es ja dasselbe Produkt. Wohlgemerkt scheinbar.

Man müsste schon die letzten 20 Jahre beharrlich auf jede Art der Nachrichtenberichterstattung verzichtet haben um das noch zu glauben. Wie war es zum Beispiel überhaupt möglich, dass mit Antibiotika kontaminiertes Pferdefleisch aus Rumänien in Deutschland in Verkehr kommen konnte?  Hatte hier die weltbekannte deutsche Kontrollwut einen Aussetzer? Zum Vergleich: In jedem deutschen Schlachthof muss laut Lebensmittelgesetz von einem Veterinär eine kleine Probe von jedem Schlachttier genommen werden. Diese wird genauestens nach potenziellen mikrobiellen Gefahren untersucht. Und das kostet halt ein wenig. Es liegt wohl nahe, dass sich hier einige Menschen vom niedrigen Preis des Pferdefleisches blenden ließen. Auf Kosten der Hygiene.

Der Grund für solche Lebensmitteleskapaden: Mangelnde Kontrollen. Gewiss. Das passt so gar nicht zu Deutschland, wo doch alles gewogen, gemessen, einer DIN-Norm Klassifizierung unterzogen wird. Fakt ist aber: Es stehen gerade einmal 2500 staatliche Kontrolleure für eine Million Betriebe aus dem Lebensmittel produzierenden Gewerbe zur Verfügung. Also soll sich jeder Kontrolleur rein rechnerisch um ganze 400 Betriebe kümmern. Dass dieses System zu grobmaschig ist zeigt sich daran, dass Lebensmittelskandale oft genug nicht von Ilse Aigners Bodenpersonal, sondern von den Medien aufgedeckt werden. Mit freundlicher Unterstützung von PETA. Eben jener Institution, die darum bemüht ist, die Verbraucher darauf hinzuweisen, dass eben nicht alles in Ordnung ist in der deutschen Lebensmittelindustrie.

Nun ist es nicht unbedingt zu erwarten, dass sich seitens der Politik viel bewegt. Trotz fast jährlicher Lebensmittelskandale nimmt die Dichte der Kontrollen nicht wirklich zu. Ja, es wird der Lebensmittelbranche sogar erlaubt eigene Qualitäts-Siegel zu entwerfen. Geprüfte Qualität wird versprochen.  Aber ob man bei Selbstkontrolle der Produzenten hiervon sprechen kann das mag sich ein jeder von euch selbst beantworten. Unabhängige Kontrollen gibt es bei solchen Siegeln aber oftmals nicht. Ob sich dies bald ändert wird sich zeigen.

Ein Blick in unsere Nachbarländer zeigt jedoch, dass es auch anders geht. Hier löst der Verbraucher mit seinem Kaufverhalten das Problem selbst.  Ich beziehe mich hier auf ein Modell aus der Volkswirtschaft. Dem wohlbekannten repräsentativen Warenkorb. An dem sieht man für was die Verbraucher ihr Geld ausgeben. So fällt auf, dass ein Franzose im Schnitt dreimal so viel Geld für Nahrungsmittel ausgibt wie der Durchschnittsdeutsche. Für die Statistiker: Der Franzose gibt 33 % seines Einkommens für Nahrungsmittel aus, der Deutsche nur 11%. Und dies liegt nicht etwa daran, dass es den Franzosen besser ginge als uns. Das Durchschnittseinkommen eines deutschen ist praktisch identisch. Nein, es gehört dort einfach zum guten Ton beim Essen auf Qualität zu achten. Und nicht nur auf den Preis. Die Hersteller von minderwertigem Essen werden es in Frankreich daher wohl schwer haben.

Niemand erwartet jetzt von euch, dass ihr nur beim Feinkosthändler euren WG-Kühlschrank auffüllen sollt. Aber stets nur das allerbilligste Fleisch zu kaufen ist auch nicht richtig. Verbraucher, die immer nur auf einen niedrigen Preis achten, geben den Lebensmittelkonzernen falsche Anreize. Diese werden durch ein solches Verbraucherverhalten dazu animiert nur noch möglichst billig zu produzieren. Und die Qualität bleibt dabei manchmal auf der Strecke. Im Endeffekt liegt es an uns Verbrauchern Lebensmittelskandalen einen Riegel vorzuschieben. Die Produkte vom Metzger sind zwar oft teurer. Aber mal Hand aufs Herz: Jeder von euch kennt das Phänomen, wenn ein Discounterschnitzel beim Braten in der Pfanne fast verschwindet?  Beim Metzger bleibt deutlich mehr übrig. Qualität hat eben ihren Preis. Und spätestens beim „Pfannentest“ muss sich jeder eingestehen: Der Gang zum Metzger hätte sich vielleicht doch gelohnt.

(jj)